Kartoffelbraten im Sauerland: Was ist das eigentlich?

In einigen Teilen des Sauerlandes ist das Kartoffelbraten eine sehr beliebte Tradition und ein Brauch der gerne gepflegt wird. Das Kartoffelbraten geht auf eine sehr lange Tradition zurück. Aus der Not schnell etwas Essbares zuzubereiten ist heute ein wirklicher Trend geworden, der Geselligkeit und Altbewährtes wieder in den Mittelpunkt rückt.

 

 

Das sogenannte Kartoffelbraten bezeichnet das Garen von Kartoffeln direkt in der Feuerglut – das findest du seltsam? Schauen wir uns erst einmal an, woher diese uralte Tradition eigentlich kommt. Seit fast einem halben Jahrtausend werden im Sauerland zur Erntezeit Kartoffeln im Feuer gebraten. Die Überlieferungen, wie es zu dieser Tradition kam, sind vielfältig, jedoch alle sehr ähnlich. Der Ursprung der Tradition des Kartoffelbratens geht wohl bis in das Spätmittelalter zurück.

Wie entstand das Kartoffelbraten?

Damals war Deutschland in viele hunderte Fürstentümer aufgeteilt. Die Ackerflächen rund um die Dörfer waren durch Erbteilung meistens sehr klein und verschachtelt, so dass vielfach weite Wege zu den Feldern zurückgelegt werden mussten. Je niedriger eine Familie im damaligen Gesellschaftssystem stand, umso weiter war es dann zum kleinen eigenen Acker. Der Arbeitstag auf den Felder war sehr lang und so wurde oft 10-14 Stunden geschuftet. Die Versorgung mit Nahrung war auf den Felder nicht einfach, da der Weg nach Hause zur zum Essen zu lang gewesen wäre.

Man trug also die Reste der Ernte, die so genannten Strünke abends zusammen, um ein Feuer zu schichten. Dies wurde gebraucht, damit die Nahrung direkt vor Ort zubereitet werden konnte. Der Weg der Kartoffel ins Feuer hat nun zwei Varianten: Entweder die Restkartoffeln der Ernte sind aus Versehen mit ins Feuer geraten und anschließend von einem neugierigen Bauern aufgebrochen und für essbar und lecker erklärt worden oder es gab einen gewitzten Bauer, der die Kartoffeln bewusst ins Feuer geschmissen hat, um danach zu prüfen, ob die Kartoffel schmeckt.

In jedem Fall hat es wohl in den späteren Jahren an der Erntestelle der Bauern immer ein so genanntes „Hurke Feuer“ gegeben, an dem die Kinder hockten (hurkten), um darauf zu achten, dass das Feuer nicht erlischt und am Ende ausreichend Glut für die Kartoffeln zur Verfügung stand.

Während das Kartoffelbraten also aus einer Not entstanden ist, ist es heute ein Event vieler Vereine, Freunde und Familien. Das spätsommerliche bzw. herbstliche Kartoffelbraten ist immer mit viel Spaß, kühlen Getränken und einem einmaligen Geschmackserlebnis verbunden.

Feuer für das Kartoffelbraten

 

Was benötigt man für ein Kartoffelbraten?

Zuerst benötigt man gutes unbehandeltes Buchenholz. Dies ist besonders wichtig, da ja keine schädlichen Stoffe an unsere Kartoffeln kommen sollen. Die Erdäpfel selbst sollten natürlich festkochend und möglichst alle gleich groß sein. Diejenigen, die sich um die Kartoffeln kümmern benötigen eine Forke, feuerfeste Handschuhe und feuerfeste Schuhe sowie einen feuerfesten Korb für die fertigen Kartoffeln.

Wie macht man die Feuerkartoffeln?

Die Kartoffeln aus dem Feuer sind eine kleine Kunst und es gilt folgende Schritte genau zu befolgen:

  • Je nach Personenanzahl und daraus schlussfolgender Menge an Holz und Kartoffeln müssen die trockenen Buchenhölzer ca. 4-5 Stunden vorher geschichtet und zum brennen gebracht werden. In dieser Zeit entsteht dann die benötigte Glut für die Kartoffeln. Es ist also nötig, dass sich einige Helfer schon früh um das Feuer kümmern.
  • Ist ausreichend Glut entstanden – diese sollte schon recht weiß sein – formt man eine Kartoffelmulde. Mit Hilfe der Forke werden die Kartoffeln dann in die Mulde gelegt. Wichtig hierbei: Nicht übereinander, sondern möglichst nebeneinanderlegen. So bekommen alle Kartoffeln gleich viel Hitze ab. Die rohen Kartoffeln müssen nun ca.10 Minuten schwitzen, das heißt sie liegen offen in der Mulde.
  • Anschließend werden die „verschwitzen“ Kartoffeln wieder zugedeckt. Aus der Mulde entsteht wieder ein Glutberg. Jetzt dauert es noch ca. 40 Min bis zum Genuss. Am besten fischt man zur Probe eine Kartoffel heraus und prüft, ob sie schon durchgebrochen werden kann. Ist dies der Fall, kommt nun das Herausholen der Kartoffeln. Dies ist wirklich eine heiße Angelegenheit und benötigt feuerfeste Handschuhe, etwas Übung, eine Forke und einen Kartoffelkorb. Während einer mit der Forke die duftenden Kartoffeln aus dem Feuer hebt, liest sie der andere mit den Handschuhen auf und befördert sie in den Korb. Sind alle Kartoffeln geborgen, geht es endlich los.

 

Wie isst man die Feuerkartoffeln richtig?

Die Ernte wird verteilt und je nach Geschmack werden Zwiebelbutter, Kräuterquark oder Butter mit Salz bereitgestellt. Nun werden die Kartoffeln mit den Händen ganz traditionell aufgebrochen, das Aufschneiden mit dem Messer ist eher untypisch. Auch wenn es für Fremde eher komisch wirkt, aber die Feuerkartoffeln werden mit der bräunlich dunklen Schale gegessen und nicht gepellt, sonst geht der besondere und ursprüngliche Geschmack verloren. Wenn man dieses Geschmackserlebnis nun mit einem frischem Veltins ergänzt, weißt du, warum der Sauerländer sein Kartoffelbraten so liebt.

Guten Appetit!!

 

Feuerkartoffeln mit Zwiebelbutter ist ein Klassiker beim Kartoffelbraten

Leckere Feuerkartoffeln

 

Steckbrief: Kartoffelbraten

  • Was wird für ein Kartoffelbraten gebraucht?
    Buchenholz, Kartoffeln, feuerfeste Handschuhe, Forke, Feuerplatz, Freunde und Zeit
  • Nach welcher Zeit entsteht genug Glut?
    ca. 3-4 Stunden
  • Welche Kartoffeln für das Kartoffelbraten?
    Festkochende Kartoffeln
  • Wie lange brauchen die Kartoffeln?
    ca. 50 Minuten
  • Welcher Dip für die Feuerkartoffeln?
    Alles was schmeckt, Butter oder Margarine mit Salz, Kräuterquark, Zwiebelbutter
  • Kartoffeln mit oder ohne Schale essen?
    Natürlich mit Schale

 

Kennst du den Brauch des Kartoffelbratens oder war dir diese Form von geselligem Zusammensein noch unbekannt? 

 

Von |2019-04-08T21:36:51+00:00November 30th, 2018|Brauch|0 Kommentare

Über den Autor:

Ich bin Julia, ich bin 1988 geboren und im Sauerland aufgewachsen. Nachdem ich ein paar Jahre die Städte unsicher gemacht habe, hat es mich schnell wieder ins Sauerland gezogen. Ich liebe die Natur und entdecke meine Heimat am liebsten mit dem Bike, auf dem Pferderücken oder beim Wandern. Am liebsten bin ich mit meinem Mann, meiner Familie und Freunden, aber auch mal alleine unterwegs. Ich liebe das Reisen und nach kleinen Abenteuertrips in Kanada, Amerika oder Südafrika sehe ich auch das Sauerland wieder mit anderen Augen und entdecke die Schönheit immer wieder neu.

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